Begleitung

Wie es für mich war, den Lichtnahrungsprozess zu begleiten – eine Erfahrung, auf die ich nicht verzichten möchte – auch wenn es nicht immer einfach war:

Im April, direkt nach dem Besuch bei dem außergewöhnlichen Ayurveda-Arzt,  war Alexander für einige Tage zu Besuch bei mir und ich bekam natürlich schnell mit, dass er sich intensiv mit dem Thema Lichtnahrung beschäftigte. Das Buch von Jasmuheen kannte ich, hatte es aber nie gelesen und mich auch sonst nie weiter damit befasst. War aber gern bereit Alexander zuzuhören und merkte, wie ihn die Überlegung „Wo kann ich den Prozess in Ruhe machen“ beschäftigte.  Ich fand das alles zwar soweit ganz interessant, mit mir schien es aber nichts weiter zu tun zu haben – ich hätte es besser wissen können.

Jedenfalls sagte mir Alexander Mitte Mai, dass er am liebsten den Lichtnahrungsprozess bei mir machen wollte. Meine erste Reaktion war etwas panisch: „Wie soll das gehen, ich kenne mich damit nicht aus.“ Ich fühlte mich überfordert und hatte auch Angst – und gleichzeitig habe ich mich über das Vertrauen gefreut.

Alexander sagte mir, wenn ich bereit sei, die Angst einfach zu fühlen, sei es kein Problem. Was stimmte – sie löste sich einfach auf.

Und doch konnte ich weder ja noch nein sagen. Er musste einfach erst mal kommen, dann würden wir schon sehen, ob es stimmt oder nicht.

Und noch etwas war wichtig: ich stellte die Frage, ob er sich vorstellen könne, den Prozess ggf. abzubrechen. Die spontane Antwort war „Mental nein, wenn ich aber merke, dass es körperlich nicht geht, dann schon“. Und damit war für mich klar, dass ich keine Verantwortung habe, dass es allein seine Sache ist, dass ich nur ein Zimmer zur Verfügung stelle, möglichst für Ruhe sorge, ab der zweiten Woche Saft und Wasser besorge und bei Bedarf einfach da bin.

Und dann hörte das Denken auf! Ich spürte:  auch ich hatte keine Wahl! Es war einfach wie es war – der Prozess war in Gang gekommen – und das fühlte sich richtig an.

Ja und nebenbei lief mein normales Leben weiter (Arbeiten, eine Tochter im Abitur-Stress, und was sonst noch so alles normalerweise ist), was nicht einfach war, da die Energie zu Hause plötzlich eine völlig andere war.

Es fiel mir z. B. in den ersten Tagen sehr schwer zu essen bzw. wahrzunehmen,  was ich brauche. Ich hätte einfach aufhören können zu essen – ein interessantes Phänomen. Nach einigen Tagen legte sich das aber wieder. Und, besonders in den ersten Tagen, als ich sah, dass Alexander körperlich schwächer wurde und sehr rückzugsbedürftig war, konnte ich auch nicht einfach so tun, als wäre nichts anders als sonst. Ab dem dritten Tag hatte ich morgens bevor ich aus dem Haus ging, das dringende Bedürfnis, nach ihm zu sehen. Doch sollte/durfte ich ihn stören? Den Ausschlag gab dann, dass ich mich einfach nicht bis zum Nachmittag ständig mit dem Gedanken, wie es ihm wohl geht beschäftigen wollte. Also bin ich leise in sein Zimmer gegangen, habe ihn kurz berührt und gefragt „alles ok?“. Ein klarer Blick, eine folgerichtige Antwort – und ich konnte in Ruhe für den Tag meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten. Am nächsten Morgen, dem vierten Tag, war es nochmal genauso, nur habe ich nicht mehr lange überlegt, sondern mein eigenes Bedürfnis, den Kopf frei zu haben,  wichtig genommen. Wieder ein wacher Blick und eine vernünftige Antwort – gut so.

Und ab dem vierten Nachmittag war deutlich sichtbar: es ändert sich etwas, die Energie kehrt zurück – ich habe es mit Staunen gesehen – und brauchte von da an morgens keine „Lebenszeichen“ mehr. Es begann so etwas wie Normalität – obwohl doch jeder Tag anders war.

Leicht waren die drei Wochen nicht für mich – ich war es nicht gewöhnt, dass jemand bei mir ist – und gleichzeitig irgendwie auch doch nicht da ist. Es war oft ein heftiges emotionales Wechselbad. Manchmal wusste ich nicht mal, wessen Gefühle sind es eigentlich, seine oder meine?

Mir war ja klar, was immer bei mir gerade ist, ich muss es mit mir selber klären –  immer wieder geriet ich aus dem Gleichgewicht und habe mich völlig gestresst gefühlt. Und genauso oft bin ich wieder zu mir zurück gekommen. Eine wichtige Erfahrung: Ich kann, ohne die Situation verändern zu müssen, wieder zur Ruhe zu kommen, mich entspannen, zu mir zurück kommen. Das hat manchmal nur Minuten gedauert, manchmal auch viel länger. Wahrgenommen hat Alexander das, denke ich,  immer.

Unterstützt haben mich lange Spaziergänge und nächtliche Meditationen – beides hat mir jeweils sehr gut getan. Und ich habe auch mit relativ vielen Menschen gesprochen, auf Geheimniskrämerei hatte ich keine Lust, die Menschen in meinem Umfeld haben sowieso gemerkt, dass etwas anders ist und mich beschäftigt. Die Reaktionen waren insgesamt eher interessiert und wenn ein Gespräch doch schräg wurde, habe ich darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gibt zu werten – das hat jedesmal funktioniert.

Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, für Gespräche und für viel Zeit, die wir zusammen in Stille verbracht haben, für dein Vertrauen und deine Offenheit, und für vieles, das ich in diesen Wochen gelernt habe, von dir und vom Leben.

Anne